Der Anblick von Blut im Urin sorgt häufig für einen wahren Schreckmoment auf der Toilette. Eine ärztliche Abklärung ist in jedem Fall erforderlich, jedoch kann in den meisten Fällen Entwarnung gegeben werden.
Makrohämaturie und Mikrohämaturie – zwei unterschiedliche Befunde
Mediziner unterscheiden grundsätzlich zwischen zwei Formen. Von einer Makrohämaturie spricht man, wenn das Blut mit bloßem Auge erkennbar ist und der Urin sich rötlich bis bräunlich verfärbt. Bereits rund ein Milliliter Blut pro Liter Urin reicht für diese sichtbare Verfärbung aus. Eine Mikrohämaturie hingegen ist nur unter dem Mikroskop nachweisbar: Ab drei roten Blutkörperchen pro Gesichtsfeld gilt der Befund als auffällig. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die jeweiligen Ursachen und das weitere Vorgehen deutlich voneinander abweichen.
Harmlose Ursachen einer Hämaturie
Das Vorkommen von Blut kann viele harmlose Ursachen haben. Eine sogenannte Hämaturie kann zum Beispiel nach dem Sport oder nach schwerer körperlicher Anstrengung beobachtet werden. Sie tritt meist beim ersten Urinieren nach der Belastung auf und wird als harmlos eingestuft. Bekannt ist dieses Phänomen insbesondere bei Ausdauersportlern – Studien zeigen, dass etwa ein Viertel der Ultramarathonläufer nach dem Wettkampf eine Mikrohämaturie aufweist. Ursache sind meist oberflächliche Reizungen der Blasenschleimhaut, die sich innerhalb von ein bis drei Tagen von selbst zurückbilden.
Bei Frauen können außerdem Blutbeimengungen der Regelblutung den Urin kontaminieren und verfärben. Eine Urinprobe während der Menstruation ist daher nur eingeschränkt aussagekräftig und sollte gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden. Auch der Verzehr von stark rötlich färbenden Lebensmitteln wie beispielsweise Roter Bete kann einen blutigen Urin vortäuschen. Gleiches gilt für bestimmte Medikamente, etwa Rifampicin oder Phenazopyridin, die den Urin orange bis rötlich einfärben können.
Wenn tatsächlich Blut im Urin ist
Sind all diese Faktoren ausgeschlossen, handelt es sich wahrscheinlich tatsächlich um die Ausscheidung von Blut im Urin. In den allermeisten Fällen ist dann eine Infektion in den Harnwegen ursächlich – typischerweise begleitet von Brennen beim Wasserlassen, häufigem Harndrang oder Fieber. Auch Harnsteine zählen zu den häufigen Auslösern: Etwa jeder sechste Fall einer nicht sichtbaren Hämaturie geht auf ein Steinleiden zurück, oft erkennbar an kolikartigen Flankenschmerzen.
Deutlich seltener, aber umso bedeutsamer, sind Tumorerkrankungen der Harnwege. Wie hoch das Risiko ist, hängt entscheidend von der Form der Hämaturie ab: Bei einer rein mikroskopisch nachweisbaren Blutung liegt die Wahrscheinlichkeit für einen bösartigen Befund laut aktuellen Daten unter drei Prozent. Bei einer sichtbaren Makrohämaturie – besonders wenn sie schmerzlos auftritt – ist das Risiko jedoch deutlich höher: Bei bis zu einem Drittel der Betroffenen wird ein Tumor als Ursache gefunden. Aus diesem Grund gilt die schmerzlose Makrohämaturie in der Urologie als klassisches Warnzeichen, das immer zeitnah abgeklärt werden muss.
Risikofaktoren, die eine Abklärung besonders dringend machen
Das individuelle Tumorrisiko wird stark von weiteren Faktoren beeinflusst. An erster Stelle steht das Rauchen – rund die Hälfte aller Blasenkrebsfälle bei Männern und etwa ein Drittel bei Frauen lassen sich darauf zurückführen, auch noch Jahre nach einem Rauchstopp. Ebenfalls relevant sind bestimmte berufliche Belastungen, etwa in der Metall-, Gummi-, Textil- oder Chemieindustrie sowie im Malerhandwerk. Hinzu kommt der Altersfaktor: Ab etwa dem 40. Lebensjahr steigt das Risiko kontinuierlich an, das Durchschnittsalter bei Diagnose liegt bei Männern bei rund 74, bei Frauen bei 77 Jahren.
Die Diagnostik bei Blut im Urin
Jede Blutbeimengung im Urin wird mittels weiterer Diagnostik abgeklärt. Die Basisuntersuchung umfasst in der Regel eine Urinanalyse mit Teststreifen und Sediment, eine Urinkultur zum Ausschluss einer Infektion sowie eine Ultraschalluntersuchung der Nieren, Harnleiter und Blase. Je nach Befund und individuellem Risiko schließen sich weitere bildgebende Verfahren an, beispielsweise eine CT-Urographie. Besteht der Verdacht auf eine Tumorerkrankung, wird eine sogenannte Blasenspiegelung durchgeführt. Diese ist die einzige sichere Diagnosemöglichkeit für einen Tumor der Harnblase und gehört bei Makrohämaturie zum diagnostischen Standard.
Wann Sie nicht zögern sollten
In bestimmten Situationen ist eine umgehende ärztliche Vorstellung ratsam: etwa bei sichtbarem Blut mit Gerinnseln, bei einer Blutung in Verbindung mit starken kolikartigen Schmerzen, bei hohem Fieber oder wenn das Wasserlassen plötzlich nicht mehr möglich ist. Auch eine schmerzlose Makrohämaturie – selbst wenn sie nur einmalig auftritt – sollte niemals auf die leichte Schulter genommen werden.
Quellen
AWMF – S1-Leitlinie „Nicht-sichtbare Hämaturie“ (Registernummer 053-028): register.awmf.org
Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) – Leitlinienübersicht: urologenportal.de
American Urological Association (AUA) – Guideline on Microhematuria: auanet.org
European Association of Urology (EAU) – Guidelines: uroweb.org
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) – Krebsinformationsdienst Harnblasenkrebs: krebsinformationsdienst.de
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