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Tumore des Harnsystems äußern sich häufig erst spät mit Symptomen, sind jedoch in frühen Stadien deutlich besser behandelbar. Daher wird versucht, die Tumore mittels Früherkennungs- sowie Screeninguntersuchungen bei Risikopatienten in möglichst frühen Stadien zu entdecken.

Hinweis: Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zu urinbasierten Tumortests bei Blasenkrebs und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei entsprechenden Beschwerden oder in der Nachsorge sollten Sie sich immer an eine Urologin oder einen Urologen wenden.

Urinstix und Blutnachweis – ein erster, aber unspezifischer Hinweis

Im Rahmen von Früherkennungsuntersuchungen werden häufig Urintests mittels herkömmlichen Urinteststreifen durchgeführt. Diese ermöglichen unter anderem den Nachweis von Blut. Dieser ist jedoch sehr unspezifisch, da er meistens nicht durch Tumore, sondern durch Infektionen in den Harnwegen verursacht wird. Auch Sport oder die Menstruation bei der Frau können zu Blutbeimengungen im Urin führen.

Wie hoch das Tumorrisiko bei einer Hämaturie tatsächlich ist, hängt entscheidend von der Form der Blutbeimengung ab: Bei rein mikroskopisch nachweisbarer Mikrohämaturie liegt das Risiko altersabhängig zwischen unter einem und rund drei Prozent. Bei einer sichtbaren Makrohämaturie kann es – insbesondere bei älteren Patientinnen und Patienten – deutlich höher ausfallen. Jede unklare Blutbeimengung im Urin muss daher ärztlich abgeklärt werden.

Spezifische Urintests auf tumorassoziierte Proteine

Screeningverfahren für Tumore des Harnsystems umfassen Urintests, die Proteine nachweisen, die im Falle von Krebserkrankungen verstärkt produziert werden. Dazu zählen der NMP22 BladderChek, der UBC-Rapid und der BTAstat.

NMP22-Proteine sind mit Tumorzellen des Urogenitaltraktes assoziiert und liegen in diesen in höheren Konzentrationen vor als in gesunden Zellen. Sterben die Zellen ab, wird NMP22 mit dem Urin ausgeschieden und kann dort mithilfe eines speziellen Tests nachgewiesen werden. Der Test gilt als vergleichsweise spezifisch, hat aber eine eingeschränkte Sensitivität – ein negatives Testergebnis schließt einen Tumor nicht sicher aus.

Der UBC-Rapid detektiert ebenfalls tumorspezifische Proteine, konkret Fragmente der Cytokeratine 8 und 18, die auf das Vorliegen eines Tumors im Harntrakt hindeuten können. In aktuellen Vergleichsstudien erreicht der Test bei hochgradigen Blasentumoren eine Sensitivität von rund 84 Prozent und liegt damit über der klassischen Urinzytologie.

Der BTAstat ist ein Test, der das Blasentumor-Antigen im Urin mithilfe monoklonaler Antikörper nachweisen kann. Auch er zeigt bei hochgradigen Tumoren eine gute Sensitivität, wird jedoch durch Infektionen, Blutbeimengungen oder kurz zurückliegende Eingriffe in seiner Aussagekraft beeinträchtigt.

Neuere molekulare Tests gewinnen an Bedeutung

Neben den klassischen Schnelltests haben in den letzten Jahren molekularbiologische Verfahren einen festen Platz in der urologischen Diagnostik und Nachsorge gefunden. Dazu zählen unter anderem der UroVysion-FISH-Test, der genetische Veränderungen in den Chromosomen 3, 7, 9 und 17 nachweist, sowie mRNA-basierte Tests wie der Xpert Bladder Cancer Monitor oder CxBladder. Diese Verfahren erreichen insbesondere bei der Nachsorge von Patientinnen und Patienten mit bekanntem Blasenkrebs eine höhere Aussagekraft als die klassischen Proteintests und werden in aktuellen europäischen Leitlinien entsprechend bewertet.

Grenzen der Screening-Tests

Diese Tests werden nur zum Screening von Risikopatienten sowie zur Nachsorge von Patientinnen und Patienten mit Harnblasenkrebs empfohlen. Sie reichen zur Diagnose eines Harnblasentumors nicht aus – dazu ist weiterhin eine Harnblasenspiegelung nötig, die in den aktuellen deutschen und europäischen Leitlinien unverändert als Goldstandard der Diagnostik gilt.

Ein flächendeckendes Screening bei asymptomatischen Personen wird nach aktueller S3-Leitlinie Harnblasenkarzinom (Stand April 2025) ausdrücklich nicht empfohlen. Der sinnvolle Einsatz der genannten Tests beschränkt sich auf definierte Risikogruppen und die Nachsorge – nie auf die alleinige Diagnosestellung.


Quellen

AWMF – S3-Leitlinie „Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms“ (032-038OL, April 2025): register.awmf.org
Leitlinienprogramm Onkologie – Harnblasenkarzinom: leitlinienprogramm-onkologie.de
European Association of Urology (EAU) – Guidelines on Non-Muscle-Invasive Bladder Cancer: uroweb.org
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) – Krebsinformationsdienst Harnblasenkrebs: krebsinformationsdienst.de
Multizentrische Vergleichsstudie urinbasierter Schnelltests (2023), PubMed: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov

Wichtiger medizinischer Hinweis
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