Es gibt heutzutage viele verschiedene Diätformen, und die ketogene Diät ist eine davon. Sie setzt auf eine minimale Zufuhr von Kohlenhydraten, eine individuell angepasste Eiweißzufuhr sowie einen großen Anteil an Fetten. Das Prinzip dahinter ist, dass der Körper durch den Kohlenhydratmangel eine alternative Energiequelle nutzen muss. Dies sind sogenannte Ketonkörper, die aus Fetten hergestellt werden können. Die sich einstellende Stoffwechsellage wird als Ketose bezeichnet und kann beim Verlust von Fettgewebe helfen. Da Ketonkörper mit dem Urin ausgeschieden werden, kann ihr Nachweis im Urin als Diätkontrolle dienen.
Welche Ketonkörper es gibt
Im Zuge der Ketose bildet der Körper drei unterschiedliche Ketonkörper: Acetoacetat, Beta-Hydroxybutyrat und Aceton. Beta-Hydroxybutyrat ist dabei quantitativ der wichtigste und macht bei einer etablierten Ketose den größten Anteil aus. Aceton wird vor allem über die Atemluft abgegeben und ist für den typischen, leicht fruchtigen Atem in der Ketose verantwortlich. Acetoacetat und Aceton lassen sich zuverlässig im Urin nachweisen – Beta-Hydroxybutyrat hingegen nicht.
Wie Urinteststreifen funktionieren – und wo ihre Grenzen liegen
Die handelsüblichen Urinteststreifen, oft auch unter dem Namen Ketostix bekannt, basieren auf einer chemischen Reaktion mit Natriumnitroprussid. Diese Reaktion schlägt nur bei Acetoacetat und in geringem Maße bei Aceton an. Die Farbskala reicht üblicherweise von hellem Gelb-Braun über Rosa bis zu einem kräftigen Violett, je nachdem wie hoch die Konzentration ist. Je dunkler die Verfärbung, desto mehr Ketonkörper werden ausgeschieden.
Was viele nicht wissen: In den ersten Wochen einer ketogenen Ernährung funktioniert der Urintest gut und liefert ein verlässliches Signal. Nach rund vier bis acht Wochen passt sich der Körper jedoch an die neue Stoffwechsellage an, nutzt Ketonkörper effizienter und scheidet vor allem Beta-Hydroxybutyrat – das die Urinteststreifen gar nicht erfassen. Das Ergebnis: Der Test kann wieder negativ oder nur schwach positiv ausfallen, obwohl sich der Körper nachweislich in Ketose befindet. Auch eine hohe Flüssigkeitszufuhr oder der Zeitpunkt der Messung können das Ergebnis verfälschen, weil stark verdünnter Urin entsprechend niedrige Ketonkonzentrationen zeigt.
Alternativen zur Urinmessung
Wer die Ketose über einen längeren Zeitraum genau verfolgen möchte, greift in der Regel auf die Messung von Beta-Hydroxybutyrat im Blut zurück. Sie gilt als Goldstandard, weil sie direkt den wichtigsten Ketonkörper erfasst und auch nach Wochen der Anpassung zuverlässig bleibt. Geräte dafür funktionieren ähnlich wie Blutzuckermessgeräte und sind inzwischen gut verfügbar. Daneben gibt es Atemmessgeräte, die das ausgeatmete Aceton nachweisen – sie sind nicht-invasiv und wiederverwendbar, liefern allerdings nur eine eingeschränkte Korrelation mit den Blutwerten und sind für Menschen mit Diabetes nicht geeignet.
Ketose als Ernährungsform – mit gesundem Blick
Die ketogene Ernährung kann kurzfristig beim Abbau von Fettgewebe helfen und findet in bestimmten medizinischen Bereichen, etwa bei pharmakoresistenter Epilepsie im Kindesalter oder beim GLUT1-Defizienz-Syndrom, auch eine evidenzbasierte therapeutische Anwendung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bewertet sie als langfristige Ernährungsform für Gesunde jedoch kritisch und weist auf mögliche Risiken wie Nährstoffmängel, veränderte Blutfettwerte und eine erhöhte Nierenbelastung hin. Bei bestimmten Vorerkrankungen – insbesondere Typ-1-Diabetes, Schwangerschaft oder fortgeschrittenen Nierenerkrankungen – ist sie nicht empfohlen. Wer eine ketogene Ernährung über einen längeren Zeitraum umsetzen möchte, sollte dies daher idealerweise gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt oder mit einer qualifizierten Ernährungsfachkraft planen und begleiten lassen.
Quellen
AWMF – S1-Leitlinie „Ketogene Diäten“ (022-021, Stand 2022): register.awmf.org
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): dge.de
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) – Praxisempfehlungen Ernährungstherapie: ddg.info
DocCheck Flexikon – Ketonkörper: flexikon.doccheck.com
Stiftung Gesundheitswissen – Ketogene Diät: stiftung-gesundheitswissen.de
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