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Rote Blutbeimengungen im Urin oder einen schäumenden Urin vorzufinden, kann für den ein oder anderen Schreckmoment sorgen. Das Auftreten von Blut und Proteinen im Urin gilt für viele als Warnsignal – zurecht, da durchaus ernsthafte Krankheiten dahinterstecken können. Treten die Symptome jedoch reproduzierbar nach einer körperlichen Belastung auf und verschwinden innerhalb weniger Tage wieder, kann häufig Entwarnung gegeben werden. In diesen Fällen handelt es sich meist um eine Sporthämaturie oder eine Sportproteinurie, die beide als weitgehend harmlose Phänomene eingestuft werden.

Hinweis: Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zum Thema Blut und Proteine im Urin nach dem Sport und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei entsprechenden Beschwerden sollten Sie immer zeitnah eine Urologin oder einen Urologen aufsuchen.

Was passiert bei einer Sporthämaturie?

Bei einer Sporthämaturie lässt sich nach einer langen körperlichen Belastung wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen – oder auch nach Sportarten mit Körperkontakt – Blut im Urin nachweisen. Ist die Ausprägung stark genug, kann man die Rotfärbung des Urins mit bloßem Auge erkennen. Eine mild ausgeprägte Form zeigt sich dagegen nur über ein positives Teststreifenergebnis für Hämoglobin. Studien an Ausdauersportlern gehen davon aus, dass nach einem Marathon bei jedem fünften Läufer zumindest mikroskopisch Blut im Urin zu finden ist.

Die Mechanismen, die diesem Phänomen zugrunde liegen, lassen sich in traumatische und atraumatische Formen unterteilen, sind jedoch noch nicht bis ins letzte Detail verstanden. Bei den traumatischen Mechanismen wird angenommen, dass es im Rahmen des Körperkontakts in Kontaktsportarten zu kleinen Verletzungen der Niere oder der ableitenden Harnwege kommt, die Mikroblutungen in den Urin verursachen. Auch bei leerer Blase kann es beim Laufen zu einer wiederholten Reibung zwischen Blasenhinterwand und Blasenboden kommen – der sogenannten „Foot-Strike-Hämaturie“. Ob bei Ausdauersportarten wie Laufen oder Radfahren zusätzlich kleine traumatische Ereignisse durch die repetitive Laufbewegung oder den Radsattel eine Rolle spielen, bleibt diskussionswürdig.

Häufiger dürfte hier ein atraumatischer Mechanismus zugrunde liegen. Unter Belastung wird die Durchblutung der Niere zugunsten der Arbeitsmuskulatur reduziert; die resultierende Minderperfusion und die erhöhte Permeabilität der glomerulären Membran führen dazu, dass geringe Mengen Erythrozyten in den Urin übertreten. Eine zusätzliche Besonderheit betrifft den Teststreifen selbst: Das Muskelprotein Myoglobin ist dem im Blut vorhandenen Hämoglobin chemisch sehr ähnlich, reagiert auf dem Teststreifen identisch und ist ebenfalls rötlich. Da beim Sport regelmäßig kleine Muskeltraumen auftreten, bei denen Myoglobin freigesetzt wird, kann ein positives „Blut“-Feld auf dem Teststreifen also auch durch Myoglobin ausgelöst werden – ohne dass tatsächlich Erythrozyten im Urin vorhanden sind. Eine echte Hämaturie lässt sich deshalb nur mikroskopisch durch den Nachweis von Erythrozyten im Urinsediment sichern.

Was steckt hinter einer Sportproteinurie?

Bei einer Sportproteinurie lassen sich nach dem Sport Proteine im Urin nachweisen. Ursächlich dafür ist eine vorübergehend reduzierte Filterfunktion der Niere für Eiweiße: Der Proteinfilter wird unter körperlicher Belastung durchlässiger. Die Mechanismen dieser Veränderung sind vielseitig. Eine Rolle spielen die sich einstellende metabolische Azidose, die sympathikus-assoziierte Adrenalinausschüttung sowie Puls- und Blutdruckveränderungen, die sich auf die Hämodynamik und damit auf die Druckverhältnisse am Eiweißfilter auswirken. Nach einem Marathon lässt sich bei bis zu 30 Prozent der Teilnehmer eine vorübergehende Proteinurie nachweisen, die innerhalb von ein bis zwei Tagen wieder verschwindet.

Wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist

Harmlos bedeutet nicht ignorieren. Eine Sporthämaturie oder Sportproteinurie sollte genauer untersucht werden, wenn Blut oder Eiweiß länger als 72 Stunden nach Belastungsende im Urin nachweisbar sind, wenn die Hämaturie ohne Sportbezug auftritt oder wenn weitere Symptome wie Fieber, Flankenschmerzen, brennendes Wasserlassen oder eine deutliche Gewichtsabnahme dazukommen. Auch Alter ab etwa 45 Jahren, Rauchen, berufliche Exposition gegenüber aromatischen Aminen sowie eine gerinnungshemmende Medikation verschieben die Abwägung in Richtung Abklärung.

Ein eigenes Warnzeichen ist ein dunkelbraun bis cola-farbener Urin nach sehr intensiver Belastung, kombiniert mit Muskelschmerzen und Schwäche. Das kann ein Hinweis auf eine Rhabdomyolyse sein – einen Muskelzerfall, bei dem größere Mengen Myoglobin freigesetzt werden. Hier ist eine zeitnahe ärztliche Vorstellung angezeigt.

Quellen

AWMF – S1-Leitlinie „Nicht-sichtbare Hämaturie“ (Registernummer 053-028): register.awmf.org/de/leitlinien/detail/053-028
AWMF / DGSP – S2k-Leitlinie „Sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung“ (Registernummer 066-002): register.awmf.org/de/leitlinien/detail/066-002
Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) – S1-Leitlinie Nicht-sichtbare Hämaturie: urologenportal.de
Bennett CM, Fagan E, Chaharbakhshi E et al. – „Haematuria in Sport: A Review“, Sports Medicine & Health Science 2018: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29500137
Lippi G, Sanchis-Gomar F – „Exertional hematuria: definition, epidemiology, diagnostic and clinical considerations“, Clinical Chemistry and Laboratory Medicine 2019: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31188754
European Association of Urology (EAU) – Guidelines Übersicht: uroweb.org/guidelines

Wichtiger medizinischer Hinweis
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