Im Urin lassen sich eine ganze Reihe von Parametern erheben – doch was bedeuten diese Werte eigentlich, und worauf können Abweichungen hindeuten? Dieser Beitrag gibt einen kompakten Überblick über die fünf relevantesten Messwerte, wie sie auch auf einem gängigen Urin-Teststreifen abgelesen werden können.
Blut und Erythrozyten
Das Vorkommen von roten Blutkörperchen, den Erythrozyten, im Urin nennt sich Hämaturie und kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Harmlos sind Blutbeimengungen nach intensivem Sport oder bei Frauen während der Menstruation. Eine Hämaturie kann jedoch auch auf Erkrankungen wie Harnwegsinfektionen, Nierenerkrankungen, Harnsteine oder Tumore hinweisen. Als auffällig gelten mehr als drei Erythrozyten pro Gesichtsfeld im Urinsediment. Eine persistierende oder mit bloßem Auge sichtbare Hämaturie sollte immer urologisch abgeklärt werden.
Proteine
Finden sich erhöhte Mengen an Eiweiß im Urin, spricht man von einer Proteinurie. Sie steht häufig im Zusammenhang mit einer Nierenerkrankung, die zu einer Einschränkung der Nierenfunktion führt. Normalerweise werden Proteine über die Filterfunktion der Niere im Blut zurückgehalten und nicht über den Urin ausgeschieden. Kommt es zu einem Defekt dieses Filters, funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr zuverlässig. Als klinisch relevant gilt eine Eiweißausscheidung von mehr als 150 Milligramm pro Tag; als besonders aussagekräftiger Frühmarker bei Diabetikerinnen und Diabetikern hat sich die Bestimmung der Albumin-Kreatinin-Ratio im Spoturin etabliert.
Spezifisches Gewicht
Das spezifische Gewicht des Urins gibt dessen Konzentration an und ist damit ein Spiegel des Flüssigkeitshaushalts. Die spezifische Dichte steigt an, wenn der Urin stark konzentriert ist – etwa weil zu wenig getrunken wurde oder weil über Schwitzen, Fieber oder Durchfall Flüssigkeit verloren gegangen ist. Bei reichlicher Trinkmenge wird der Urin verdünnt und die Dichte sinkt entsprechend. Normalbereich für eine zufällig entnommene Probe sind etwa 1,005 bis 1,030 g/ml. Dauerhaft sehr niedrige Werte können unter anderem auf Störungen der Konzentrationsfähigkeit der Niere hindeuten.
Leukozyten
Leukozyten sind die weißen Blutkörperchen und als Abwehrzellen ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems. Ihr gehäuftes Vorkommen im Urin kann hinweisend für eine Harnwegsinfektion sein, insbesondere wenn zusätzlich Nitrit im Urin nachweisbar ist. Auch nicht-bakterielle Entzündungen der Harnwege oder der Niere können zu einer Leukozyturie führen. Entscheidend für die Einordnung bleibt deshalb das klinische Bild.
Glukose
Das Vorkommen von Glukose im Urin deutet in der Regel auf erhöhte Blutzuckerspiegel hin. Normalerweise schafft es die Niere, Glukose vollständig zurückzuresorbieren. Wird jedoch ein kritischer Schwellenwert im Blut überschritten – bei Erwachsenen typischerweise rund 180 Milligramm pro Deziliter – kann nicht mehr die gesamte Glukose zurückgehalten werden und ein Teil erscheint im Urin. Dieser Parameter spielte historisch eine zentrale Rolle in der Diabetesdiagnostik; heute wird zur Einstellung und Verlaufskontrolle vor allem auf Blutzucker- und HbA1c-Werte zurückgegriffen. Zu beachten ist außerdem, dass moderne SGLT2-Hemmer bei Diabetikerinnen und Diabetikern bewusst zu einer Glukosurie führen – ein positives Zuckerfeld auf dem Teststreifen ist bei diesen Patientinnen und Patienten also kein Alarmsignal, sondern therapeutisch gewollt.
Quellen
AWMF – S1-Leitlinie „Nicht-sichtbare Hämaturie“ (Registernummer 053-028): register.awmf.org/de/leitlinien/detail/053-028
AWMF – S3-Leitlinie „Harnwegsinfektionen“ (DEGAM / DGU, Registernummer 043-044): register.awmf.org/de/leitlinien/detail/043-044
Bundesärztekammer, KBV, AWMF – Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, Version 3.0 (2024): register.awmf.org/de/leitlinien/detail/nvl-001
KDIGO – 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease: kdigo.org/KDIGO-2024-CKD-Guideline.pdf
Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin – Empfehlungen zur Urindiagnostik: dgkl.de/publikationen/veroeffentlichungen-und-empfehlungen
European Association of Urology (EAU) – Guidelines Übersicht: uroweb.org/guidelines
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