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Es gibt verschiedene Formen der Harninkontinenz, und diejenigen, die durch eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur hervorgerufen werden, lassen sich häufig durch eine gezielte Stärkung dieser Muskulatur behandeln. Da es vielen Betroffenen schwerfällt, den Beckenboden bewusst anzusteuern, kann die Kombination aus Beckenbodentraining und Biofeedback unterstützend eingesetzt werden – vor allem in der Anfangsphase, wenn es darum geht, das richtige Muskelgefühl überhaupt zu entwickeln.

Hinweis: Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zur Therapie der Harninkontinenz und ersetzt keine ärztliche oder physiotherapeutische Beratung. Welche Trainingsform für Sie geeignet ist, klären Sie am besten in Ihrer urologischen, gynäkologischen oder urogynäkologischen Praxis.

Was Biofeedback eigentlich ist

Biofeedback dient der Visualisierung von Körperfunktionen, die normalerweise unbewusst ablaufen. Die Methode stammt ursprünglich aus der Psychologie und soll Patientinnen und Patienten helfen, eine bestimmte Körperfunktion bewusst wahrzunehmen und zu steuern. Im Rahmen der Inkontinenztherapie werden dazu spezielle Sonden verwendet, die entweder vaginal oder rektal eingeführt werden – ähnlich wie ein Tampon oder ein Zäpfchen. Die Sonde misst die Aktivität der Beckenbodenmuskulatur und überträgt das Signal auf einen Bildschirm oder ein akustisches Feedback. So lässt sich die Kontraktion in Echtzeit verfolgen, und die Betroffenen lernen, gezielt die richtige Muskulatur anzuspannen.

Wie gut ist die Evidenz wirklich?

So anschaulich das Prinzip ist, so nüchtern fällt der Blick auf die Studienlage aus. Die aktuelle S2k-Leitlinie „Harninkontinenz der Frau“ und mehrere systematische Reviews kommen übereinstimmend zu dem Schluss, dass ein Beckenbodentraining mit Biofeedback gegenüber einem gut angeleiteten Beckenbodentraining ohne Biofeedback keinen klaren Zusatznutzen hinsichtlich Lebensqualität und Kontinenzleistung bringt. Entscheidend ist vor allem, dass über mindestens drei Monate regelmäßig und korrekt trainiert wird – dann lässt sich die Muskelkraft des Beckenbodens signifikant steigern und eine bestehende Inkontinenz häufig deutlich verbessern.

Einen echten Mehrwert bietet Biofeedback vor allem für zwei Gruppen: zum einen für Menschen, die ihren Beckenboden zunächst überhaupt nicht erspüren können, zum anderen nach operativen Eingriffen oder Geburten, wenn das Körpergefühl in dieser Region zeitweise verloren gegangen ist. In diesen Fällen ist Biofeedback eine wertvolle Lernhilfe – nicht als Dauertherapie, sondern als Einstieg in ein langfristiges, eigenständiges Training.

Was Betroffene mitnehmen sollten

Bei Verdacht auf eine Belastungs- oder Dranginkontinenz lohnt sich eine ärztliche Abklärung, bevor mit dem Training begonnen wird. Eine physiotherapeutische Anleitung durch eine auf den Beckenboden spezialisierte Fachkraft erhöht die Erfolgsaussichten deutlich – ganz unabhängig davon, ob zusätzlich Biofeedback eingesetzt wird. Geduld ist dabei ein wichtiger Faktor: Nennenswerte Verbesserungen stellen sich meist erst nach einigen Wochen konsequenten Trainings ein.

Quellen

AWMF – S2k-Leitlinie „Harninkontinenz der Frau“ (Registernummer 015-091, 2023): register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-091
AWMF – S2e-Leitlinie „Harninkontinenz bei geriatrischen Patienten“ (Registernummer 084-001, 2024): register.awmf.org/de/leitlinien/detail/084-001
European Association of Urology (EAU) – Guidelines on Non-neurogenic Female LUTS: uroweb.org/guidelines/non-neurogenic-female-luts
Deutsche Kontinenz Gesellschaft – Informationen zur Harninkontinenz: kontinenz-gesellschaft.de
Herderschee R et al. – „Feedback or biofeedback to augment pelvic floor muscle training for urinary incontinence in women“, Cochrane Database of Systematic Reviews: cochranelibrary.com/CD009252
Urologische Stiftung Gesundheit – Harninkontinenz der Frau: Was nützt ein Biofeedback?: urologische-stiftung-gesundheit.de/harninkontinenz-frau

Wichtiger medizinischer Hinweis
Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich der allgemeinen Information und sind mit größter Sorgfalt auf Basis anerkannter medizinischer Fachquellen erstellt. Sie stellen keine Heilaussage, Diagnose oder Therapieempfehlung dar und ersetzen in keinem Fall das persönliche Gespräch mit einer qualifizierten Ärztin oder einem qualifizierten Arzt. Im Zweifelsfall oder bei anhaltenden Beschwerden suchen Sie bitte umgehend ärztlichen Rat. Medipee übernimmt keine Haftung für Entscheidungen, die Sie auf Grundlage der hier bereitgestellten Informationen treffen.