Aus Harnsäure bestehende Urinsteine und Gichtanfälle haben etwas gemeinsam: Ihre Ursache sind erhöhte Harnsäurespiegel durch eine gesteigerte Purinzufuhr. Purine wie Adenin und Guanin sind Bausteine der Erbsubstanz, also der DNA und RNA, und in vielen Lebensmitteln enthalten. Besonders eiweißhaltige Produkte wie verschiedene Fleischsorten sind reich an Purinen. Bei der Verstoffwechselung von Purinen entsteht als Endprodukt Harnsäure, die mit dem Urin ausgeschieden wird.
Wenn zu viel Harnsäure zum Problem wird
Fällt besonders viel Harnsäure an, kann es sein, dass sie sich in Gelenken absetzt und dort eine Entzündungsreaktion hervorruft. Dies wird als Gichtanfall bezeichnet. Außerdem können sich Harnsäurekristalle bei übermäßigen Mengen im Urin zusammenlagern und zur Ausbildung von Urinsteinen führen. Harnsäuresteine machen in Deutschland etwa zehn Prozent aller Harnsteine aus; Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Die Gesamtprävalenz der Nierensteinkrankheit in Deutschland liegt bei rund fünf Prozent – eine Größenordnung, die mit der von Diabetes oder Rheuma vergleichbar ist.
Die Purinfallen an Weihnachten
Neben der meist fleischlastigen Ernährung an Weihnachten begünstigt auch der häufig erhöhte Alkoholkonsum die Ausbildung von Harnsäuresteinen sowie Gichtanfällen. Bier enthält aufgrund der Hefe besonders viele Purine – und zwar unabhängig davon, ob es sich um alkoholhaltiges oder alkoholfreies Bier handelt. Hinzu kommt, dass Alkohol ganz unabhängig vom Puringehalt den Harnsäurespiegel ansteigen lässt: Beim Alkoholabbau entsteht Laktat, das in der Niere mit der Harnsäure um die Ausscheidung konkurriert. Die Folge ist, dass weniger Harnsäure ausgeschieden und mehr davon rückresorbiert wird. Zusätzlich sorgt der Konsum von Alkohol für ein saures Urinmilieu sowie eine Dehydrierung des Körpers, die mit höheren Urinkonzentrationen einhergeht. Alle diese Faktoren begünstigen die Bildung von Urinsteinen.
Ein typisches Weihnachtsessen, bestehend aus Braten, Sauce, Knödeln und Rotkohl sowie einem Glas Wein oder Bier, kann je nach Portionsgröße und Zubereitung bereits mehr Purine enthalten, als für einen ganzen Tag empfohlen wird. Als Orientierungswert gelten rund 400 bis 500 Milligramm Harnsäure-Äquivalent pro Tag. Besonders das Fleisch, Innereien wie Leber und vor allem Bier gelten als klassische Purinfallen.
Was die aktuellen Leitlinien empfehlen
Lange galt eine streng purinarme Diät als Königsweg bei Gicht. Die neue S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (Stand Januar 2025) geht heute einen anderen Weg: Statt einzelne Lebensmittel rigoros zu verbieten, stehen jetzt eine pflanzenbetonte Ernährung mit viel Obst und Gemüse, eine Reduktion von Alkohol – insbesondere Bier – sowie ein gesundes Körpergewicht im Vordergrund. Ebenfalls wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von etwa zwei bis zweieinhalb Litern pro Tag, idealerweise bikarbonatreiches Mineralwasser, das den Urin leicht alkalisiert und die Löslichkeit der Harnsäure verbessert. Auch die Art der Zubereitung spielt eine Rolle: Beim Kochen gehen bis zu zwanzig Prozent der Purine ins Kochwasser über, beim Braten hingegen kaum.
Wann Sie nicht zögern sollten
Ärztliche Hilfe sollte insbesondere dann zeitnah in Anspruch genommen werden, wenn ein Gichtanfall mit Fieber oder Schüttelfrost einhergeht – dies kann auf eine bakterielle Gelenkentzündung hindeuten. Auch bei starken Flankenschmerzen, die möglicherweise in die Leiste oder den Unterbauch ausstrahlen, bei Blut im Urin oder hohem Fieber ist eine umgehende Abklärung erforderlich, da eine akute Nierenkolik mit Infektion einen urologischen Notfall darstellen kann.
Quellen
AWMF – S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Gicht“ (DGRh, 060-005, Januar 2025): register.awmf.org
AWMF – S2k-Leitlinie „Urolithiasis“ (DGU, 043-025): register.awmf.org
European Association of Urology (EAU) – Guidelines on Urolithiasis: uroweb.org
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Informationen zu Purinen und Harnsäure: dge.de
Deutsches Ärzteblatt – Alkoholkonsum und Gichtrisiko: aerzteblatt.de
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